Reintegration

Zum Ende des teil- oder vollstationären Klinikaufenthalts wechseln die betroffenen Kinder und Jugendlichen vom oft wochenlangen Patientenstatus wieder in den Schülerstatus.

 

Im Einzelfall gibt es eine sogenannte Belastungserprobung an der Heimatschule bzw. am zukünftigen Lernort, bevor die endgültige Entlassung aus der Klinik erfolgt. Für alle Beteiligten ist dies eine Zeit der Beobachtung und der aufmerksamen Wahrnehmung: was gelingt oder was fällt noch schwer oder wo braucht es besondere therapeutische sowie pädagogische Aufmerksamkeit? Im noch geschützten Klinik- und Klinikschulrahmen kann in dieser Phase im gemeinsamen Austausch kooperativ noch so manche Reibung am Übergang in einen normalen Schulalltag behoben werden.

 

Der Wechsel zurück in einen geregelten Schulalltag braucht Geduld und Zeit – und aus unserer Erfahrung eine besondere Achtsamkeit seitens der Heimatschule. Das Team der Klinikschule steht hierbei den Kolleginnen und Kollegen der Stammschule beratend unterstützend zur Seite. Unsere Erfahrungen bezüglich ‚Pädagogik bei Krankheit‘ geben wir gerne weiter – eine Haltung der ‚kreativen Fürsorge‘ und auch der ‚Toleranz bei Lücken‘ haben sich in vielen Fällen gerade in der ersten Phase der Wiedereingliederung als förderlich erwiesen.

 

Die lange Erkrankung hat häufig eine gravierende Beeinträchtigung des schulischen Lernens zur Folge. Während des Klinikaufenthaltes liegt der Schwerpunkt auf der Gesundung. Therapeutische Maßnahmen und Aufgaben stehen im Vordergrund. Begleitend hat die Beschulung an der Klinikschule Rems-Murr eine wichtige stabilisierende Bedeutung. Dennoch entstehen während des Klinikaufenthaltes Lücken. Eine Balance zu finden zwischen der Rücksichtnahme auf die gesundheitliche Situation der Schülerin / des Schülers einerseits und den notwendigen Bedarfen der Heimatschule andererseits stellt fraglos eine große, individuell zu lösende Herausforderung dar. Die Nutzung pädagogischer Ermessensspielräume ermöglicht flexible Lösungen.

 

Die folgenden Maßnahmen können aus unserer Sicht Impulse für Lehrkräfte der Stammschule sein, um eine erfolgreiche leistungsmäßige und soziale Wiedereingliederung in die Klasse zu unterstützen:

  1. Soziale Wiedereingliederung:
  • Wie können mögliche Befürchtungen oder Ängste seitens der betroffenen Schülerin / des Schülers abgebaut werden?
    • z.B. freundliche Begrüßung
    • z.B. Vorgespräch
    • z.B. Runder Tisch
  • Sind alle an der Klasse unterrichtenden Lehrkräfte über die Belastungserprobung / Rückkehr / den Neustart der Schülerin / des Schülers informiert?
  • Ist die Klasse vorbereitet auf diese Situation?
    • z.B. Sitzplatz, Nebensitzer*in, Buddy
    • z.B. Feinfühligkeit und Diskretion: Welche Informationen möchte die betroffene Schülerin / der betroffene Schüler (nicht) preisgeben?
    • z.B. Pausenbegleitung
  1. Verpasster Unterrichtsstoff:
  • Welche Themen / Fächer sollten vorrangig nachgelernt werden?
  • Worauf kann verzichtet werden?
  1. Leistungsmessung:
  • Wann können sinnvoll Klassenarbeiten mitgeschrieben werden?
  • Können Leistungsmessungen auf die Unterrichtsthemen reduziert werden, die die Schülerin / der Schüler bereits wieder tatsächlich an der Heimatschule bearbeitet hat?
  • Wie viele Leistungsmessungen sind pro Woche zu vertreten?
  • Ist eine alternative Leistungsmessung denkbar: Referat, Hausarbeit oder mündliches Abfragen statt Klassenarbeit?

 

  1. Unterstützungsmaßnahmen:
  • Welche individuellen Hilfestellungen können Fachlehrkräfte anbieten?
    • z.B. Bilden von Lernteams mit Klassenkameraden
    • z.B. Vermittlung von Nachhilfe
  • Gibt es an der Schule Lernnachmittage, Nachhilfe oder Schüler-Coaching?
  • Welche individuelle Unterstützung können Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte und Schulseelsorge leisten?
    • z.B. regelmäßige Gesprächsangebote
  1. Versetzungsentscheide:
  • Hat die Schülerin / der Schüler Aussicht, trotz des verpassten Unterrichtsstoffes, den Anforderungen der nächsten Klasse gerecht zu werden?
  • Ist eine Wiederholung sinnvoll?
  • Erscheint ein Wechsel des Lernortes / der Schulart sinnvoll?

 

… denn trotz Krankheit bleibt Lernen wichtig!

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